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Painting of Maestoso II Catrina ridden by Shana Ritter. Painting by Janey Belozer.




Piaffe in the Pillars. Painting by Ludwig Koch.




Tapestry depicts horse and rider in the Capriole.




Pirouette by George Hamilton c. 1700.







Mary Stuart in the Piaffe, Sidesaddle.




Capriole in the Pillars, 1890.




William Cavendish, Duke of Newcastle




Equestrian Portrait of Henry IV (1555-1610). King of France before the Walls of Paris, 1594.













Queen Isabel of France by Velasquez







Thomas Ritter on the Lipizzan Gelding, Siglavy Sophia-Dahlia, in the Canter

Dressurblog
18 Januar 2010

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Harmonie

©Thomas Ritter 2010

Harmonie ist ein interessantes Thema. Die meisten Leute halten sie wahrscheinlich für wichtig oder zumindest für wünschenswert, aber ich frage mich, wie viele Menschen sich über das Wesen der Harmonie Gedanken machen. Manche Reiter versuchen, Harmonie dadurch herzustellen, daß sie dem Pferd einfach nie etwas Schwieriges abverlangen. Sie erregen auf diese Weise keinen Anstoß, aber andererseits verbessert sich ihr Pferd auch nie, weil sie nie versuchen, einen steifen Muskel zu dehnen oder einen schwachen Muskel anzustrengen. Manche Reiter suchen Harmonie, indem sie sozusagen dem Druck des Pferdes nachgeben. Sie geben nach oder loben das Pferd und geben auf, sobald sie einem Widerstand im Pferd begegnen. Sie belohnen das Pferd unwillkürlich für eine Weigerung oder sogar für gefährliches, rüdes Verhalten, wie das Androhen von Steigen oder Bocken. Sie versuchen, eine Harmonie herbeizuführen, die ganz und gar vom Pferd diktiert ist, und sie bekommen letzten Endes ein Pferd, das weder gehorsam noch zuverlässig ist und das auf einem niedrigen Niveau stecken bleibt. Harmonie um jeden Preis kann also nicht wünschenswert sein.

Es gibt mehrere Ebenen, auf denen sich Harmonie, bzw. deren Mangel manifestiert.

Eine Art der Harmonie wird durch den geschmeidigen Gleichgewichtssitz erreicht, durch den der Reiter zu einem Bestandteil des Pferdes wird. Ungewollte Bewegungen der Hände, der Schenkel oder des Kopfes des Reiters zerstören das harmonische Bild und müssen vermieden werden. Sie lenken vom Pferde ab und behindern das Pferd, indem sie mit Gang und Haltung stören. Wenn wir jemand reiten sehen, sollten wir immer das Pferd bemerken und nicht den Reiter. Der Reiter sollte immer im Hintergrund bleiben, wohingegen das Pferd der Schausteller sein sollte. General Alexis L'Hotte verlangte dies sehr nachdrücklich: "Veränderungen des Sitzes sind unter allen Umständen verboten. Der Reiter muß immer wie mit seinem Pferd verschweißt sein. Die Bewegungen der Hände und Schenkel müssen diskret sein und dem Auge verborgen bleiben. Schließlich muß der Reiter alles vermeiden, was die Aufmerksamkeit auf seine Person zieht. Das Pferd ist derjenige, der die Lektionen ausführt. Der Reiter muß lediglich mit ihm in Übereinstimmung bleiben."

Eine weitere Art der Harmonie wird geschaffen, wenn alle Körperteile des Pferdes reibungslos mit einander arbeiten. Dies ist ein Ausdruck von Gleichgewicht und Geschmeidigkeit, die den Bewegungen des Pferdes den Anschein der spielerischen Leichtigkeit verleiht. Das Pferd gleitet sanft und geräuschlos durch die Bahn, von einer Wendung oder Lektion zu anderen und von einer Gangart in die andere. Steife Gelenke und Muskeln führen zu Widerständen und verhindern ein elegantes, harmonisches Bild, was einer der Gründe dafür ist, daß die alten Meister lehrten, daß Gleichgewicht und Geschmeidigkeit die Eckpfeiler der Dressur sind. Gustav Steinbrecht faßt dies ausgezeichnet zusammen: "Correct dressage training is, therefore, a natural gymnastic exercise for the horse, which hardens its strength and supples its limbs. Such exercise causes the stronger parts of its body to work harder in favor of the weaker ones. The latter are strengthened by gradual exercise, and hidden forces, held back because of the horse’s natural tendency towards laziness, are thus awakened. The end result is complete harmony in the cooperation of the individual limbs with these forces, enabling the horse to continuously and effortlessly perform, with only the slightest aids from its rider, such regular and beautiful movements as it would demonstrate on its own only fleetingly in moments of excitement."

Ich möchte darauf hinweisen, daß Steinbrecht vollkommene Harmonie als ein Endergebnis betrachtet. Darauf werde ich weiter unten wieder zurückkommen. Steinbrecht erwähnt etwas, das nicht genug betont werden kann, da es ein Hauptanliegen der klassischen Reitkunst ist. Der Ausbildungsgang – wenn er klassisch korrekt sein soll – muß die natürlichen Gangarten des Pferdes durch gymnastische Übungen zu ihrer höchstmöglichen Vollendung entwickeln, aber er muß alles Exzessive und Widernatürliche vermeiden. Alle übertriebene oder sensationalisierte Bewegungen zerstören die Harmonie, die die alten Meister suchten. Das klassische Ideal lag immer darin, die Gangarten des Pferdes unter dem Reiter zur gleichen Schönheit zu entwickeln, wie auf der Koppel, und dabei alles so leicht und natürlich aussehen zu lassen, daß niemand ahnen kann, wie viel Können und Arbeit dahinter steckt.

Der Herzog von Newcastle gibt eine der besten Definitionen des Zieles der klassischen Reiterei: "In der Reiterei ist es wie in anderen Dingen: Regelmäßigkeit ist schön, während Verrenkungen und Zwang ohne Anmut sein müssen. Es liegt in der Reiterei darüberhinaus eine Eleganz, die natürlich anmutet, obwohl sie von der Kunst geschaffen ist. Obwohl ein vollkommener Reiter kunstgerecht reitet, scheint es daher eher natürlich als durch Übung gelernt. Und er läßt sein Pferd so erscheinen, als ob die Natur solch eine Kreatur zu keinem anderen Zweck erschaffen hätte als vom Menschen geleitet, regiert und geritten zu werden. Mehr noch, man kann sagen ein guter Reiter reitet in Harmonie, denn sein Pferd ist eines Sinnes mit ihm, bewegt sich so präzise, tritt so gleichmäßig und taktmäßig, wendet sich, pirouettiert und erhebt sich so regelmäßig, leicht und mühelos daß es sehr angenehm anzusehen ist und noch dazu eine sehr nützliche Wissenschaft zu lernen."

Newcastle berührt eine weitere Art der Harmonie hier. Er erwähnt, daß das Pferd “eines Sinnes” mit seinem Reiter ist. Mir gefällt dieser Ausdruck, da er impliziert, daß das Pferd ein williger Partner ist, der mit dem Reiter mitdenkt. Die aktive Mitarbeit und Kooperation des Pferdes ist extrem wichtig, denn ohne sie ist Qualitätsarbeit unmöglich. Wenn ein Pferd ungehorsam oder dem Reiter gegenüber respektlos ist, kann es keine Harmonie geben. Harmonie ist also keine Einbahnstraße. Das Pferd muß sich genauso Mühe geben mit dem Reiter im Einklang zu bleiben wie umgekehrt.

Dies kurzen Überlegungen zeigen, daß eine produktive Harmonie, in welcher das Pferd sich verbessert und durch die Klassen aufsteigt, dem Reiter ein gewisses Können abverlangt. Natürlich gibt es verschiedene Grade der Harmonie. Reiter und Pferde in den unteren Klassen können ebenfalls in relative Harmonie mit einander sein, wenn sie sich nicht gegenseitig irritieren oder verärgern. Manchmal gleicht das allerdings eher einem Waffenstillstand, wie ich anfangs erwähnte. Vollkommene Harmonie und Regelmäßigkeit verlangen allerdings ein sehr hohes Ausbildungsniveau von Pferd und Reiter. Daher bezeichnen die alten Meister sie oft als Ziel oder als Endergebnis, denn die Harmonie geht verloren sobald das Pferd das Gleichgewicht verliert oder einen Muskel verspannt, bzw. wenn der Reiter auch nur für einen Tritt seinen Sitz verliert.

Während der Ausbildung ist die Harmonie manchmal beeinträchtigt, wenn das Pferd etwas Neues lernt. Menschen sehen auch nicht immer elegant aus, wenn sie einen neuen Sport erlernen. Der Grund hierfür liegt darin, daß die neue Fertigkeit ein feineres Körperbewußtsein erfordert. Das Pferd muß sich anders tragen, d.h. es muß andere Muskeln anspannen und entspannen, als diejenigen, die es normalerweise benützt. Diese neuen Muskeln sind gewöhnlich neurologisch nicht sehr gut mit dem Gehirn verbunden, d.h. sie sind nicht leicht für das Pferd zu erreichen. Da das Pferd sie in der Vergangenheit nicht sehr oft angestrengt hat, sind sie nicht sehr kräftig und sie besitzen nicht viel Ausdauer. Manche sind steif und verkürzt. Sie zu entdecken, zu lernen sie zu erreichen, sie zu dehnen und zu kräftigen wird begleitet sein von einer gewissen Ungeschicklichkeit des Pferdes, welche dann als ein Harmonieverlust erscheint. Manchmal zeigt das Pferd die Schwierigkeit der Übung mittels seiner Kopf- und Halshaltung. Das sollte den Reiter nicht zu sehr beunruhigen. Sobald das Pferd herausfindet, wie die neue Anforderung auszuführen ist, wird auch die Harmonie wieder hergestellt sein. Die Harmonie wird hinterher sogar größer sein, da das Gleichgewicht und die Geschmeidigkeit des Pferdes zugenommen haben und es sich wohler fühlt als zuvor.

Ein weiterer Fall, in dem die Harmonie kurzfristig beeinträchtigt ist, ist ein Korrekturpferd, welches schlechte Angewohnheiten gelernt hat und vielleicht den Sitz und die Hilfen des Reiters nicht in dem Maße respektiert, wie es sollte. Wenn der Reiter diesem Pferd lehrt, die Grenzen zu respektieren, welche die Hilfen ihm setzen, und wenn er auf das Nachgeben des Pferdes auf die Hilfen besteht, wird das Pferd unter Umständen den Reiter zunächst herausfordern und gegen die Anforderungen protestieren. Doch wenn es die Führungsrolle des Reiters akzeptiert und die Hilfen durchgehen läßt, dann werden sich auch die Beziehung zwischen Reiter und Pferd, sowie die Harmonie stark verbessern.

Es gibt also verschiedene Arten der Harmonie, die nicht alle gleichwertig sind. Es ist manchmal ein steiniger Weg, der von einem geringeren zu einem höheren Grad der Harmonie führt, und die Zustände scheinen manchmal erst schlimmer zu werden, bevor sie sich verbessern. Für den Reiter und den Beobachter ist es wichtig erkennen zu lernen, um welche Art von Harmonie oder Disharmonie es sich im gegebenen Falle handelt, um die Situation richtig beurteilen und richtig darauf reagieren zu können.

Scheuen Sie sich nicht, mir Fragen und Kommentare zu schicken.

Thomas Ritter


Thomas Ritter on the Lipizzan Gelding, Siglavy Sophia-Dahlia in the Canter



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