Sherry Ackerman hat gerade die zweite Ausgabe ihres Buches “Dressage in the Fourth Dimension” veröffentlicht. Ich bin sicher, daß die meisten meiner Leser mit Dr. Ackerman und der ersten Ausgabe ihres Buches vertraut sind. Sie ist sowohl Professorin für Philosophie am College of the Siskiyous in Nordkalifornien als auch eine bekannte internationale Reitlehrerin und Autorin. Sie können mehr Informationen über sie auf ihrer Internetseite www.sherryackerman.com finden. Sherry Ackerman schreibt einen Blog über Philosophie und Dressur (http://sherryackerman.blogspot.com/), und sie können die Neuauflage von „Dressage in the Fourth Dimension” bei www.dressageinthefourth.com bestellen.
Dieser Blogeintrag ist ein Interview mit Sherry Ackerman, in welchem sie Fragen zur Neuauflage ihres Buches, zu ihrer Dressur- und Lehrmethode, sowie zur Schnittstelle zwischen Dressur, Philosophie und Spiritualität beantwortet. Dr. Ackerman hat sich bereit erklärt, weiterführende Fragen von Bloglesern zu beantworten und dieses Interview zu einem Gespräch zwichen uns beiden und Ihnen, den Lesern, auszuweiten. Bitte zögern Sie nicht, mir Fragen und Kommentare zum Interview zu schicken. Wir werden die interessantesten davon hier auf dem Artisticdressage Blog beantworten.
TR: Haben Sie in der zweiten Auflage Ihres Buches Veränderungen vorgenommen?
SA: Ich bin das Buch durchgegangen und habe sprachlich vieles verändert, um es Nichtdressurreitern ebenso zugänglich zu machen wie Dressurreitern. Als Dressurreiter verwenden wir doch oft unsere eigene Fachsprache. Ich habe eng mit einer nicht reitenden Editorin zusammen gearbeitet, und sie hat mir dabei geholfen, den sprachlichen Rahmen so zu erweitern, daß der Inhalt auch fachfremden Lesern zugänglich werden kann. Ich glaube es hat funktioniert, denn ich habe von Künstlern, Kampfsportlern, Musikern usw. gehört, die mir sagten, daß der Inhalt für sie ebenso relevant ist wie für Reiter. Kunst ist Kunst! Und das ist das Geheimnis zur Vierten Dimension – Dressur als Kunst zu betrachten. Wir sehen die Dinge anders durch die Brille der Kunst. Wenn wir also Dressur als Kunstform betrachten, dann verändert sich unsere Perspektive. Sie wird ästhetisch und bekommt ein bestimmtes Potential, das in den Bereich der Kunst gehört – wie die persönliche Transformation.
TR: Ich stelle fest, daß ich in meiner eigenen Reiterei ständig Neues dazu lerne, daß ich neue Beobachtungen mache und neue Einblicke in das Wesen der Reiterei und der Pferdeausbildung gewinne. Aus diesem Grunde entwickeln sich meine Ansichten im Laufe der Zeit weiter, so daß ich manche meiner früheren Artikel nach fünf oder zehn Jahren neu schreiben möchte, weil ich denke, daß ich heute das Thema besser erklären kann, oder weil ich bestimmte Aspekte des Themas einfach besser verstehe. Haben Sie festgestellt, daß sich Ihre Ansichten, bzw. Ihr Verständnis von bestimmten Aspekten der Reiterei in den zehn Jahren seit der Veröffentlichung der ersten Ausgabe von “Dressage in the Fourth Dimension“ so weitgehend verändert oder verfeinert haben, daß Sie Teile des Buches neu schreiben wollten?
SA: Ich stimme mit Ihnen überein. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht das Gefühl habe, mein Verständnis der Dressur vertieft zu haben. Dressur ist wie eine beste Freundin …. Unser Verhältnis wird enger und enger. Und ich genieße sie mehr und mehr. Ja, all das war vorhanden, als ich an der zweiten Ausgabe zu arbeiten anfing. Ich hatte aber andererseits das Gefühl, daß das Buch seiner Zeit weit voraus war, als ich es 1997 veröffentlichte. Es schien beinahe so, als ob das Paradigma endlich zum Buch aufgeschlossen hätte, als ich die zweite Ausgabe veröffentlichte. Deshalb beließ ich viele Gedankengänge intakt. Manchmal fiel mir das schwer, aber ich wollte die Geschlossenheit des Buches bewahren, indem ich die Ideen, deren Zeit endlich gekommen ist, auf fruchtbaren Boden fallen ließ. Ich teile meine neuen Beobachtungen, Erkenntnisse und Strukturen durch meine Lehrgänge mit, wo ich direkt vor Ort persönlich das Material im offenen Dialog an meine Schüler weitergeben kann.
Mein Liebesaffäre mit der Dressur hängt mit der Tatsache zusammen, daß wir das Ziel nie wirklich erreichen. Es bewegt sich ständig, was bedeutet, daß ich mich ständig bewegen, verändern und anpassen muß. Dogma ist tödlich für die Dressur. Erfahrung dagegen belebt und bereichert sie!
TR: Die Reiterei kann ein Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung sein und bietet dem Reiter die Gelegenheit, ein besserer Mensch zu werden. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, daß in vielen Fällen das Gegenteil eintritt? Sie scheint oft die schlimmsten Eigenschaften im Menschen hervorzubringen: Haß, Neid, Eifersucht, Rachsucht, Unehrlichkeit, Verrat. Diese schlechten Eigenschaften scheinen in der Reiterwelt häufiger aufzutreten als in allen anderen Lebensbereichen.
SA: Als ich die zweite Ausgabe des Buches abgeschlossen hatte, gab ich es einem sehr lieben Freund, der ein Zen Meister ist, Reverend Master Eko Little. Eko war seinerzeit der erste männliche Schüler, der in Vassar aufgenommen wurde, und er nahm Dressurunterricht, während er in Poughkeepse war. Nachdem er das Manuskript durchgelesen hatte, warf er den Kopf zurück und lachte. Er sagte mir, daß ich in die „Abgründe der Hölle marschieren“ würde, womit er meinte, daß ich eine sehr exponierte Position einnehmen würde unter einer Gesellschaftsgruppe, die bekannt ist für ihren Materialismus und Reduktionismus. Er hatte den Neid, die Rachsucht und die Korruption in der Reiterwelt am eigenen Leibe erfahren – er wußte, daß diese Gesellschaftsgruppe sehr dunkle Momente haben kann. Aber er ist ein Zen Meister, und er weiß, daß Bewußtsein die Finsternis durchdringen kann, wenn es klar und authentisch ist. Er gab dem Buch seine guten Wünsche auf den Weg und wir sandten es aus in die Nacht. Ich habe Briefe von Leuten bekommen, deren Leben das Buch verändert hat. Da es klein, attraktiv und nicht einschüchternd ist, nahmen sie es in die Hand und lasen es. Und irgendwo zwischen den Umschlagseiten wurde eine Saite angeschlagen. Diese Momente, in denen wir uns mit unserer eigenen Schattenseite auseinandersetzen, sind bewegend. Klarheit lebt in der Kollision von Ego und Wahrheit.
Ich denke, daß es zwei Typen von Dressur gibt – eine innere und eine äußere Dressur. So viele Leute werden nur in die äußere Dressur eingeführt, und diese Dressur ist wettkampforientiert, egoistisch, dualistisch und dem Ergebnis verhaftet. Die äußere Dressur kann aufgrund ihres Wesens Haß, Neid, Eifersucht, Rachsucht, Unehrlichkeit und Verrat hervorbringen. Die innere Dressur ist subjektiv, kooperativ, einsam, integriert und prozeßorientiert. Sie ist ein Werkzeug zur Selbstverwirklichung und bietet dem Reiter die Gelegenheit zur Transformation. Ich denke jedoch, daß viele Leute nie richtig in die innere Dressur eingeführt werden. Es ist unsere Aufgabe als Lehrer, holistisch zu unterrichten und sowohl die äußere als auch die innere Dressur im Unterricht anzusprechen. Das ist genau das, was ich in meinen neuen "Fourth Dimension" Dressurlehrgängen mache. Ich will eine integrierte Dressur unterrichten, die die äußerlichen und inneren Aspekte mit einander vereint.
TR: Was sagen Sie Ihren Schülern, wenn sie sich überwältigt fühlen von der Länge der Reise und der Erkenntnis, wie vieles sie noch nicht wissen, wie viel des Weges noch vor ihnen liegt, bevor sie einen Punkt erreichen, den sie als ein befriedigendes Kompetenzniveau betrachten?
SA: Das ist ein sehr schwieriges Problem, das absolut unvermeidbar ist. Ich nenne es die “Dressurkrise”. Wie ich im Buch sage, kann man entweder den Kopf in den Sand stecken und das Problem ignorieren, wenn man an diesen Punkt gelangt, oder man kann wie Bodhidharma anfangen, einen Schritt nach dem anderen zu tun, auf der langen Reise ins Unbekannte. Ich habe großes Mitgefühl für den Schüler oder die Schülerin, die zu dieser Schlußfolgerung gelangen. Sie ist schmerzhaft --- aber sie ist auch großartig. Sie ist so authentisch - so wahrhaftig! Man wird wirklich demütig, wenn einem bewußt wird, wie viel man noch nicht weiß. Ich erzähle meinen Schülern in der Regel von meinem ersten Besuch bei Herrn von Neindorff. Dort wurde mir zum ersten mal bewußt, wie wenig ich wußte und wie lange es dauern würde, bis ich auch nur einen blassen Schimmer haben würde. Ich war sehr jung und ehrgeizig, und ich dachte ich wäre eine tolle Reiterin. Es dauerte nur ein paar Tage unter den Augen des Meisters, bis mir klar war, daß ich noch nicht einmal wußte, was ich nicht wußte. Ich erzähle meinen Schülern diese Geschichte und wir lachen gemeinsam darüber. Und dann geht’s an die Arbeit, mit dem vollen Bewußtsein, daß außer der Reise nichts wirklich existiert – daß es kein wirkliches Endziel gibt. Kleine Errungenschaften werden bedeutungsvoll und ohne daß sie es merken erreichen sie eines Tages ein neues Kompetenzniveau.
TR: Warum denken Sie, daß Pferde so viele Menschen anziehen, die emotionell und psychisch ungesund sind?
SA: Das englische Word "animal" kommt von der lateinischen Wurzel "anima", was Seele bedeutet. Tiere verbinden Menschen mit ihrer Seele. Wenn jemand emotionell oder psychisch ungesund ist, dann ist es die Seele, die Medizin braucht. Und diese Medizin hat sehr, sehr oft vier Beine. Pferde haben unter den Tieren mit die größte Mystik. Sie besitzen viele Eigenschaften eines guten Psychotherapeuten. Sie leben in der Gegenwart – und zwar in so hohem Grade, daß sie jemand schlagartig in das hier und jetzt zurück holen können. Der meiste emotionelle und psychologische Stress wird von “Lärm im Kopf” verursacht, wie ich das nenne. Wenn man mit Pferden gut auskommen will, dann muß dieser „Lärm“ verstummen. Pferde mögen das „Affenhirn“ nicht. Pferde mögen die Stille, die einer ruhigen, ausbalancierten Geisteshaltung entspringt. In dem Maße, wie die Pferde dem Menschen beibringen sich zu entspannen und innerlich ruhig zu werden, heilt der Mensch. Daher denke ich, daß ein Mensch, der emotionell oder psychisch leidet, auf einer tieferen, unbewußten Ebene von den Pferden angezogen wird. Das Unterbewußtsein weiß, daß das Äußere eines Pferdes gut für das Innere des Menschen ist!
TR: Wie helfen Sie Ihren Schülern mit den Plateaus, auf denen der Schüler oder die Schülerin keine sichtbaren Fortschritte zu machen scheint und vielleicht anfängt zu zweifeln, ob er oder sie auf dem rechten Wege ist und jemals reiten lernen wird?
SA: Ich habe vor einigen Jahren gelernt, meinen eigenen Ehrgeiz in Bezug auf den Fortschritt meiner Schüler aufzugeben. Auf diese Weise werden sie nicht von mir unter Druck gesetzt. Wenn sie sich jedoch selbst unter Druck setzen und daher ihre eigenen Fähigkeiten in Frage stellen, dann höre ich nur zu. Ich glaube nicht, daß Reiten für jedermann geeignet ist. Ich bin offen für den Gedanken, daß dies vielleicht nicht wirklich ihr Weg ist. Wenn keine Passion vorhanden ist, dann ist das ein Warnsignal für mich. Die Passion hilft dem Reiter über die Plateaus und Hindernisse hinweg. Sie gleicht einen eventuellen Mangel an Talent aus. Wenn die Passion offensichtlich ist, wird der Mensch im Laufe der Zeit reiten lernen. Wenn das Reiten allerdings ohne Passion ist, dann ist es vielleicht einfach nicht der Weg dieser Person. Ich schaue, ob ihre Seele mit Liebe zum Reiten entbrannt ist. Ist dies der Fall, dann wird sie früher oder später auch reiten lernen.
TR: Eher ein Kommentar als eine Frage: Ich habe Ihren Vergleich zwischen Dressur und Alchemie sehr interessant gefunden. Er erinnert mich an eine Beschreibung, die ich in einem Zen Buch gefunden habe, in dem der Autor den Weg des Schülers als einen Kreis beschreibt, der mit dem weißen Gürtel des Anfängers beginnt. Im Laufe der Jahre wird der Gürtel durch die ständige Übung nach und nach dunkler von Schweiß und Schmutz, bis er schwarz ist. Wenn der Schüler, der nun eine gewisse Meisterschaft erlangt hat, immer weiter übt, dann wird der Gürtel verwaschen und abgenutzt, bis er schließlich wieder weiß wird. Es ist interessant, daß verschiedene Kulturen sehr ähnliche Beobachtungen gemacht haben, daß das ernsthafte langjährige Studium einer Disziplin die Persönlichkeit des Schülers ebenso verändert, wie das Verständnis der Materie, der Welt, des Lebens und der eigenen Person, ganz gleich ob es sich um Alchemie, Blumengestecke, Schwertkampf, Aikido oder Dressur handelt. Würden Sie einige Gedanken zur überkulturellen Universalität dieser Erfahrungen und Beobachtungen hinzufügen?
SA: Die Alchemy kommt natürlich von der westlichen esoterischen Tradition. Aber, wie Sie so aufmerksam beobachtet haben, ist die östliche esoterische Tradition ebenfalls voll von diesen Hinweisen. Wir sprechen hier im wesentlichen davon, was Joseph Campbell als die “Reise des Helden” bezeichnet. Sie besteht immer aus einem Aufbruch, einer Initiation und einer Rückkehr. Diese ergreifende archetypische Geschichte liegt allen spirituellen Traditionen der Welt zugrunde. Es ist ein so wichtiges Thema, daß es uns auch in Märchen und in den mündlichen Traditionen überliefert ist. Der Held – d.h. Sie und ich! – verläßt seinen/ihren Geburtsort und zieht in die Welt. In der Wildnis der Welt übt man seine Disziplin. Lektionen werden erlernt, Meisterschaft wird angeboten. Verbündete helfen uns auf unserem Weg. In unserem Fall haben diese Verbündeten oft Mähnen und Schweife. Eines Tages stellen wir fest, daß wir, wie Lex Hixon sagen würde, nach Hause kommen. Wie ein Orobourus knabbern wir an unserem eigenen Schwanz. Und das Schöne hieran ist, daß das Symbol des Orobourus sehr deutlich veranschaulicht, daß es kein Endziel gibt. Es gibt nur den Pfad, den Weg.
TR: Ein weiteres interessantes Detail, das Sie im Zusammenhang mit der Alchemie erwähnen, ist die Vision des des “Pfauenrades”, welches Sie mit einer oberflächlichen Errungenschaft wie einem gelungenen fliegenden Wechsel vergleichen. Dieses Phänomen wird in der Zen Tradition Makyo genannt. Makyo sind oft Visionen und außersinnliche Erfahrungen, die während der Meditation stattfinden. Sie können den Schüler dazu verführen, zu glauben, daß er einen gewissen Grad von Erleuchtung errungen hat, wenn sie in Wirklichkeit nur temporäre Phänomene sind, die sehr wenig inhärente Bedeutung haben. Sie stellen jedoch eine gewisse Gefahr für den Schüler dar, weil man so leicht von ihnen geblendet werden und bei ihnen stecken bleiben kann. Analog dazu mag der Reitschüler sich einbilden, daß er ein großer Meister ist, nachdem er eine schwere Lektion geritten hat oder ein Turnier gewonnen hat. Wenn sich diese Einbildung beim Schüler einnistet, dann ist es mit dem Fortschritt solange vorbei bis die Illusion zerstört ist und die Anfängereinstellung wieder hergestellt ist. Kann der Schüler die Einbildung nicht aufgeben, dann ist die Reise praktisch vorbei. Würden Sie etwas aus der Sicht der Vierten Dimension hinzufügen?
SA: Die Anfängereinstellung ist der Schlüssel! Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem mir das in meiner eigenen Entwicklung klar geworden ist. In meiner “äußerlichen Dressur” war ich schon weit fortgeschritten. Ich konnte schwere Lektionen reiten und die Grenzen von Gleichgewicht, Geschmeidigkeit und Kraft erreichen. Dann traf es mich wie ein Blitzschlag: "Ohhh, Ich verstehe. Diese schweren Lektionen sind nichts weiter als reife Früchte, die auf ganz natürliche Weise von einem gut gewässerten Baum fallen.“ Wenn wir uns darauf konzentrieren, den Baum gesund und stabil zu erhalten, dann reifen die Früchte auf natürliche Weise und fallen uns in den Schoß. Unser Blick muß immer auf das “Holz hacken und Wasser tragen” gerichtet sein. Und wenn wir uns auf die Grundlagen konzentrieren, wie Herr von Neindorff sagte, dann reift alles andere im Laufe der Zeit von ganz alleine. Unkraut jäten, bewässern und arbeiten .... dann erst kommen die wahren Blüten zum Vorschein!
TR: Wie ändern Sie die Einstellung eines Schülers, der im eindimensionalen “Form statt Funktion” Denken stecken geblieben ist, damit er die gymnastischen und psychologische Komplexität der Reiterei und der Pferdeausbildung zu erkennen beginnt?
SA: Ich sage ihnen, daß sie mit mir während der Mittagspause Yoga und Meditation üben werden. Wenn ich unterrichte nehme ich eine zweistündige Mittagspause, in der ich meditiere und Yoga mache. Ich lade die Schüler dazu ein, mitzumachen – vor allem diejenigen, die mit der Eindimensionalität kämpfen. Ich vergleiche Yoga mit Dressur, jede Asana mit einer Dressurlektion. Ich vergleiche die Meditation mit Reiten im Gleichgewicht. Wenn ihre Muskeln anfangen zu schmerzen durch das Dehnen in den Asanas, dann wächst ihr Verständnis für die Schwierigkeiten des Pferdes in der Traversale, dem Travers, usw. Sie fangen an, die Anstrengung der Versammlung zu erfahren, wenn sie in der Baumhaltung stehen. Plötzlich wird der ganze Grund für Gymnastik offensichtlich. Und wenn wir 30 Minuten in Zazen sitzen, dann kommt ihnen das natürlich wie eine Ewigkeit vor. Sie sind fest davon überzeugt, daß sie stundenlang da gesessen haben! Und die psychologische Komplexität wird in ihrer Ungeduld, Angst und Frustration deutlich. Nietzsche folgend praktiziere ich “Philosophie mit dem Hammer” und bläue ihnen die Gemeinsamkeiten zwischen Yoga, Meditation und Reiterei ganz unzweideutig ein!
TR: Wie helfen Sie Ihren Schülern dabei, außergewöhnlich gute und schlechte Ritte richtig einzuordnen, so daß sie sich weder überschätzen nach einem großen Erfolg, noch verzweifeln nach einem wirklich schlechten Ritt?
SA: Das ist so wichtig. Ich spreche viel vom Tao und weise auf das I Ching hin als eine Karte der „Dinge, wie sie sind“. Alles verkehrt sich immer in sein Gegenteil. Das ist der Weg des Tao. Sobald etwas entsteht, fängt es an, sich in sein Gegenteil zu verwandeln. Das Morgengrauen ist der Anfang der Abenddämmerung. Die Geburt ist der Anfang des Todes. Da ist der kleine Yin Punkt im Yang und der kleine Yang Punkt im Yin. Und so ist es auch mit unserem Reiten. Die guten Ritte enthalten ein Samenkorn eines schlechten Rittes und umgekehrt. Das ist die Ebbe und Flut des Lebens, und die Reiterei gibt uns die Gelegenheit dieses Konzept wirklich selbst zu erleben. Wenn wir unseren guten Ritt ehrlich analysieren, dann finden wir ein Samenkorn des schlechten Rittes in ihm ... und umgekehrt, wenn wir unseren schlechten Ritt ehrlich untersuchen, dann können wir ein Körnchen eines guten Rittes in ihm finden.
Sherry L. Ackerman, Ph.D.
College of the Siskiyous
Philosophy & Psychology
www.dressageinthefourth.com
www.lewiscarrollmyth.com
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Thomas Ritter