Sobald ein Pferd auf beiden Händen wohl ausgebildet ist, sowohl in Volten als auch in Pirouetten, wird es auch dazu im Stande sein, alle einfachen und doppelten Traversalen in der Passage und im Galopp auszuführen. Dies wird auch in den Zeichnungen dargestellt, die ich weiter unten zu den einfachen und doppelten Traversalen angebe. Dies alles kann bei einem Kriegspferd nur äußerst nützlich sein. Ich erwähne dies, da ich dies selbst in mehreren Schlachten am eigenen Leib erfahren habe, an denen ich teilnahm, hauptsächlich in der Schlacht von Lusara in Italien, wo mir mein Pferd das Leben rettete. Zu jener Zeit war ich Stallmeister bei Comte de Medavi, damaliger Generalleutnant, der als Marschall von Frankreich starb. Ich diente ihm als Aide de Camp in jener Schlacht, so wie ich auch mehreren anderen Persönlichkeiten in dieser Funktion auf dem Schlachtfeld gedient hatte.
Ich bin ebenfalls vertraut mit der Nützlichkeit eines Pferdes, welches gelernt hat über Hecken und Gräben zu springen, da diese Sprünge sich sehr von den Schulsprüngen unterscheiden, wie ich unten erklären werde.
Ich war also Stallmeister des Comte de Medavi, einem großer Liebhaber von schönen und guten Pferden. Da dieser Fürst sich sehr dafür interessierte, seinen Pferden bei der Arbeit zuzuschauen, mußte ein hübsches und gutes Areal außerhalb der Stadt gefunden werden, um sie gut in allen Arten von Lektionen arbeiten zu können, die ich ihnen abverlangen konnte. Wir waren in unserem Winterquartier in Castillon. Daher ist es leicht verständlich, warum wir nichts Wichtigeres zu tun hatten außer dieser Übung, die unserem Herrn Freude bereiten würde.
Ich weiß nicht, ob wir verraten wurden. Ich glaube es aber, nach allem Anschein. Eines Tages lud der Comte de Medavi den Dragoneroberst Comte de Verraque und Herzog d’Ediguières zusammen mit dem Marquis de St. Germain Beau-pré ein. Diese vier Herren bestiegen eine Kutsche à la Romaine, die von nur zwei Pferden gezogen wird, da der Ort, an dem ich die Pferde arbeitete nur 400 Schritt von der Stadt entfernt war. Als diese Herren am Reitplatz angekommen waren, um den Pferden bei der Arbeit zuzusehen, bestieg ich deren vier oder fünf. Als ich beim letzten angelangt war, befahl mir der Comte de Medavi schnell auf der Straße fortzureiten und dann zu ihm zurückzukehren. Ich hatte kaum 150 Schritte zurückgelegt, als ich in einer Kurve auf der Straße eine große Abteilung Husaren entdeckte, die auf uns zu kamen. Ich kehrte eilends um, um die Herren unverzüglich zur Rückkehr in die Stadt zu bewegen, während ich, meinem Pferd vertrauend, den Husaren entgegen ritt. Meine Absicht war es, sie zu überlisten: Da ich auf einem Pferd mit kostbarem Zaumzeug beritten war, konnte ich mir nichts anderes denken, als daß die Husaren mich für einen großen Herrn halten und mich verfolgen würden. Indem ich in die entgegengesetzte Richtung des Comte de Medavi ritt, würde ich ihm und den Fürsten, die ihn begleiteten, die Flucht erleichtern.
Ich täuschte mich nicht in meiner Erwartung, denn sobald ich mich diesen Partisanen auf Pistolenreichweite genähert hatte, verfolgten sie mich in dem Glauben, daß sie gefunden hätten, was sie gesucht hatten. Da die Straße von Hecken und kleinen Gräben eingerahmt war, fing ich an, sie mit meinem Pferd zu überspringen, was es besser tat als die Husarenpferde, obwohl diese recht schnell waren. In der Absicht, mich zu ergreifen, eilten sie zu einem Stück Boden, auf welchem ich mich befand: Da es jedoch kein Hindernis gab, das ich nicht überspringen konnte, gaben die Husaren nur einige Pistolenschüsse auf mich ab, was mich nicht allzu sehr beunruhigte. Ich versuchte stattdessen, außer Reichweite ihrer Klingen zu bleiben, welche ich mehr fürchtete.
Da dieses Spiel einige Zeit in Anspruch nahm, hatten die Fürsten, die ich zurückgelassen hatte, Zeit, die Stadt zu erreichen und alle Dragoner, die sie finden konnten, ausrücken zu lassen, ohne die Trommeln zu rühren, um meine Feinde anzugreifen, von denen mehrere getötet und drei gefangen genommen wurden.
Nachdem ich während dieser Geschehnisse über eine letzte Hecke gesprungen war, befand ich mich auf einer Straße, die mich durch ein anderes Tor in die Stadt führte, als jenes, durch welches die Fürsten gekommen waren. Ich durchquerte die Stadt, um mich ihnen wieder anzuschließen und fand sie in großem Erstaunen, da sie mich verloren geglaubt hatten, aufgrund der vielen Schüsse die auf mich abgegeben worden waren. Ich hätte diese Tat übergehen können, da es sich um eine persönliche Angelegenheit handelt, aber da es sehr gut ist, zu sehen, wie notwendig es ist, ein Pferd zu besitzen, welches gut springen kann, was im Krieg vorkommt, wollte ich dies doch nicht verschweigen.
Ich muß ebenfalls über einen weiteren Vorfall berichten, der sich während der Zeit ereignete, als ich dem Comte de Medavi als Stallmeister diente. Ich hatte in der Stadt Brécia einen Berber gekauft, dessen gute Eigenschaften ich bereits erwähnt habe. Es gab nichts, was ich ihm abverlangte, das er nicht ausgeführt hätte, weshalb ich ihm den Namen Singe (Affe) gab. Als wir den Feldzug begannen, versammelte sich die Armee bei Mantua, wo ich Generalleutnant de Craslin traf, einen großen Liebhaber von schönen Pferden. Da der Herr mich im Spaß fragte, ob ich während des Winterquartiers gute Pferde gekauft hätte (er befand sich in der Gesellschaft von M. de Beson, ebenfalls Generalleutnant und der Kommandeur von Mantua), antwortete ich ihm, daß ich in Brécia einen Berber gekauft hätte, der es verdiente, gesehen zu werden. Als er mich fragte, ob er schöner sei als ein türkisches Pferd, welches ich im Vorjahr gekauft hatte, antwortete ich: nein, aber er würde ihn nicht weniger wertvoll finden, wenn er die Mühe auf sich nähme, zu kommen und ihn anzuschaun. Nachdem er antwortete, daß er das Pferd gerne sehen würde, wenn ich es zu ihm brächte, suchte ich ihn auf, ohne mich um die Schwierigkeit zu kümmern, eine Treppe mit 32 Stufen emporzureiten, bevor ich das Zimmer erreichen würde, in dem sich die Fürsten befanden. Diese schmale Treppe war aus schwarzem Marmor gemacht.
Ich sagte dem Herrn, daß ich bereit wäre ihm den Gefallen zu tun, mein Pferd direkt bis in das Gemach zu bringen, in welchem er sich aufhielt: Als er bemerkte, daß ich nur aus Übermut gesprochen hatte, ohne die Schwierigkeit der Sache zu bedenken, sagte er mir, daß er die Geschichte wohl gerne für zwanzig Pistolen sehen würde. Ich antwortete ihm sogleich, daß ich weitere zwanzig Pistolen dagegen setzen würde, und diese vierzig Pistolen wurden General M. de Tavani anvertraut.
Ich verließ die Fürsten stehenden Fußes und suchte mein Pferd auf, allerdings nicht ohne meine Wette zu bereuen, da mir beim Herabsteigen der Treppe aufgefallen war, wie schwierig dies sein würde. Doch da ich jung und übermütig war, und da mir vor Gefahr nicht bange war, tröstete ich mich, indem ich mich auf die Geschmeidigkeit und Leichtigkeit meines Pferdes verließ, welches ich an den Fuß der Treppe führte. Alle Fürsten hatten mich kommen sehen und verließen ihr Gemach, um vom oberen Ende der Treppe meinem Aufstieg zuzusehen. Ich rief ihnen jedoch zu, daß ich nichts unternehmen würde, bis sie sich zurückzögen. Ich fürchtete nicht ohne Grund, daß ihr Anblick mein Pferd beängstigen möge, obwohl ich es noch niemals hatte scheuen sehen, und es seinen Mut und seine Härte bei verschiedenen Gelegenheit unter Beweis gestellt hatte, durch die Ausbildung, die ich ihm gegeben hatte. Die Fürsten traten einen Schritt zurück und ich zeigte meinem Pferd die Treppe, um sie anschließend mit ihm zu erklimmen.
Es muß angemerkt werden, daß die Stufen dieser Treppe wohl poliert waren. Doch nichts entmutigte mich, und ich erreichte die 24. Stufe mit meinem Pferd, als ich ihn stolpern sah und glücklicherweise ein rundes Eisengeländer mit der rechten Hand ergreifen konnte. Dieses Geländer ging vom oberen Ende der Treppe bis zu ihrem Fuß. Mit seiner Unterstützung half ich meinem Pferd ein wenig, und indem ich es meine Oberschenkel spüren ließ und seine Flanken ganz leise mit den Sporen berührte, forderte ich es dazu auf, eine letzte Anstrengung zu machen, die uns beide zum oberen Ende der Treppe brachte.
Nach diesem großen Erfolg ritt ich auf meinem Pferd in den Saal ein, in welchem sich die Fürsten versammelt hatten und verlangte siegreich meinen Wetteinsatz von M. de Tavani. Ich berichte von diesem Abenteuer nicht aus Eitelkeit, sondern lediglich aus der Absicht, den Leser darüber zu informieren, was man mit einem Pferd tun kann, wenn es gut ausgebildet ist.
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